Donnerstag, November 09, 2006

zuerst einmal nachrichten von jemandem, der politisch naeher dran ist.....

Heute war eine Demo im Intifada-Stil. Ich bin ihr ganz zufaellig um die Mittagszeit auf dem Weg zum Laden begegnet, ohne dass ich etwas gewusst haette. In Gaza gab es viele Tote. Deshalb ist ein Zug von politisch aktiven Studenten aller Parteien von der Uni zum naechstgelegenen Checkpoint gezogen. Wahrscheinlich war es nicht geplant, sondern voellig spontan. Auf dem Weg wurden Muelleimer umgekippt und aus Steinen angedeutete Strassenbarrikaden errichtet. Einige Jungs (und zwei Maedchen!) haben Steine eingesammelt und in Richtung der Anlagen geworfen.
Die Armee war zuerst mit etwa vier Mann und einem Jeep, dann nach Verstaerkungen mit etwa zehn Mann und drei Jeeps praesent. Zuerst haben sie Traenengas und Soundgranaten verschossen, um die Demonstration auf Abstand zu halten.
Dann sind fuenf Soldaten gegen ueber 100 Demonstranten vormarschiert und haben eine Spezialmunition verschossen, die b eim Eintritt unter die Haut explodiert und aetzende Salze freisetzt. Damit haben sie alle Steinewerfer und alle Zuschauer/innen weit zurueckgedraengt. Es gab mehrere Verletzte. Nur Palaestinenser. Kein Soldat.
Die Krankenwagen sind mehrfach gekommen und weggefahren.

"Militaerisch" ist so eine Demo natuerlich voellig unsinnig. Jeder weiss, das Israel so nicht besiegt werden kann.
Einige haben mir unaufgefordert erklaert, dass sie wissen, dass es nichts bringt. Die Soldaten sind klar ueberlegen, sogar wenn es nur fuenf gegen hundert sind, und es geht auch gar nicht darum, sie etwa zu treffen.
So eine Demo ist ein seltener Ausbruch der allgemeinen Verbitterung und Anspannung, die immer da ist, und nur selten hochgeht, wenn Israel die Gewalt so eskaliert wie im Gazastreifen.
Die Demuetigung, die vollkommene Erniedrigung, die braucht manchmal ein Ventil, dass man zeigt, dass man kein Tier ist, dass wie im Stall alles mit sich machen laesst. Ich denke, ungefaehr so fuehlen die Menschen. Es faerbt etwas ab, wenn man Tag fuer Tag dabei ist, dass man es bald nicht mehr erklaert haben muss.
Man kann nun davon ausgehen, dass es in naechster Zeit Razzien und Verhaftungen im Staedtchen geben wird.

Nach dem Libanon-Krieg hat mir dieses Ereignis heute bestaetigt, was mir die altersweise Chava gestern in Tel-Aviv als ihre Einschaetzung des Libanon-Kriegs gegeben hat.
Israel hat verloren, musste verlieren, weil es zum Krieg vielleicht gar nicht mehr in der Lage ist. "Unsere Armee", sagte sie, "ist eine Polizei geworden, die gewohnt ist, gegen wehrlose Zivilisten, sogar Kinder vorzugehen. In Libanon ist ihr Widerstand entgegengesetzt worden. Und der von Kaempfern, die vom militaerischen (nicht ideologischen) Standpunkt gut gekaempft haben." Und den Preis eines richtigen Krieges gegen Gegner, die sich verteidigen koennen, kann Israel offenbar nicht mehr bezahlen.
Wie laecherlich der "Kampf" gegen Palaestinenser in der Realitaet ist, dieses Bild hat der heutige Tag geliefert.

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